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Auch Kunden müssen von Werbung verschont werden

Bezugnehmend auf Auch Kunden müssen von Werbung verschont werden (oder auch hier) kann ich die Sicht der Richter nur in Teilen nachvollziehen.

Ja, natürlich nervt mich als Konsument Werbung, vor allem unerlaubte und unerwünschte. Und wenn bei mir sowas eintrudelt, werde ich auch hin und wieder ungemütlich. Die Frage, ob eine "Werbung" für eine (ich gehe davon aus kostenlose) Smartphone-App wirklich Werbung ist, mag im formaljuristischen Sinne durchaus geklärt sein, nicht aber, wenn man mal wieder wie ein Mensch denkt. Mir ist bewusst, dass die beklagte Versicherung trotz der kostenlosen App vermutlich Geld dabei spart, wenn Kunden diese App nutzen und damit der Versicherung Arbeit abnehmen. Aber letztendlich profitieren (hoffentlich ;-) ) auch die Kunden davon.

Auch wenn die meisten Menschen ihre Versicherung jetzt nicht unbedingt zu den Geschäftspartnern zählen, bei denen sie sich auf Augenhöhe behandelt fühlen, stelle man sich einmal vor, der Heizungsfachbetrieb würde im Rahmen seiner jährlichen Wartung nach Wartungsvertrag seinem Kunden ein Zusatzprodukt, z.B. eine (kostenlose) App für's Smartphone zur Überwachung der Heizung, empfehlen. Auch für ihn ein Vorteil, damit er nicht jedes Mal anrücken muss, obwohl gar kein Fehler vorliegt - und für den Kunden auch von Vorteil. Würde man da genauso hart reagieren wie bei E-Mail-"Werbung"?

Dass die Justiz versucht, E-Mail-Werbungs-Spam entgegenzutreten, finde ich gut und richtig. Ich finde aber, man sollte nicht bei allem, was "Online" und "Internet" ist, über die Stränge schlagen. Lasst die Unternehmen "leben". Und wenn einem der Stil eines Unternehmens nicht passt, kann man ja durchaus einfach zu einem anderen gehen. Die Märkte entscheiden das in der Regel ziemlich gut. Aber Kunden, die bei "sowas" reflexartig zum Anwalt gehen oder zur Abmahnfeder greifen, möchte man als Unternehmen sowieso nicht haben.

Kommentare

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Rob Vegas

Werbung von Unternhemen ist eigentlich ein spannendes Thema. Vor allem die nicht genutzten Möglichkeiten der Unternehmen faszinieren mich immer wieder.

Beispiel: Ich muss zum Service in ein Autohaus. Ich warte dort und bekomme bestenfalls einen Kaffee. Meist gähnend langweilig. Dort hätte man die Gelegenheit Kunden mit poisitiver Werbung zuzuballern. Sie müssen 1 1/2 Stunden auf ihr Fahrzeug warten?

- Kostenlose Probefahrt im neuen Spitzenmodell
- Kostenloses Frühstück
- Coaching "Wir erklären ihnen besondere Funktionen ihres Wagens"
- Haben Sie eine Frage zu ihrem Auto auf dem Herzen?
- Fahrsicherheitstraining auf dem Hof
- Neuestes Rennspiel auf der Playstation 4 - Knacken sie den Rekord unseres Teams und sie erhalten das Cabrio einen Tag lang gratis.

Das verwundert mich immer wieder. Das Beispiel Autohaus lässt sich auf so viele Unternehmen übertragen. Techniker vom DSL-Anbieter nimmt sich Zeit. Arztpraxis usw. .

Werbung kann ( so schreibst Du es ja auch ) durchaus sinnvoll für beide Seiten sein. Sie kann Probleme lösen und Möglichkeiten für den Kunden eröffnen. Leider nutzt man sie nur immer mehr als Spam für das Gehirn. Mir hat man Check24 erfolgreich ins Gehirn geprügelt. Ich möchte es aber lieber endlich wieder vergessen.

Engywuck

hier soll es ja gerade um einen Kunden gehen, der seinen Vertrag gekündigt hat und dennoch mit Werbung für die App "versehen" wurde. Für so jemanden ist es recht sicher sinnlos, es weren wohl die wenigsten denken "oh, wenn die so eine App haben dann mache ich die Kündigung rückgängig".

Außerdem kommt es natürlich auch immer auf die Form an: war es ein Einzeiler am Ende der Mail oder war der Einzeiler die Mail und danach kommen drei Bilder und 20cm Werbetext. Um im Beispiel mit dem Autohaus zu bleiben: wird mir das Coaching und die Werbefahrt angeboten oder muss ich um den Wagen abzuholen erstmal durch 100 Meter Werbefläche laufen und die Werbevideos haben 90 Dezibel. Sehr lästig auch die automatischen Ansagen wenn man irgendwo anruft, um z.B. einen Termin auszumachen "Kennen Sie schon unser neusestes Angebot..." - Nein, und ich will es dann auch gar nicht mehr kennenlernen.

DrZoidberg

und deshalb klagst du dich durch bis zum bgh? weil du einen autoresponder kriegst, in dem auf eine app hingewiesen wird? ich kann zwar durchaus nachvollziehen, dass einem werbung auf den sack geht, aber manche leute (und urteile) haben mit vernunft keine gemeinsamen nenner.

Engywuck

bei lawblog hat es einer schön ausgedrückt: wenn du von der ersten Instanz recht bekommen hast und die zweite Instanz dir widerspricht, so dass du die ganzen Kosten zu tragen hättest, gleichzeitig aber der Weg zum BGH offensteht - würdest du zahlen oder den BGH anrufen?

Und wie ich oben schrieb: es kommt auf die Art der Werbung an. Wenn es ein Einzeiler "Unsere neue App downloaden unter ..." war hätte ich persönlich nicht geklagt (die Klage ist aber trotzdem richtig, s.u.). War es dageben ein (übertrieben) zwanzig-Megabyte-"Anhang" aus dreißig Bildern, fünf eingebetteten Videos und schreiender Aufmachung...
Zumal man gerade bei Vertragskündigungen etc. quasi gezwungen ist, die ganze Mail zu lesen, damit man nicht etwas möglicherweise essentielles übersieht. Der übliche "bah, das ist Werbung - weg damit" Filtermechanismus ist dadurch zwangsweise ausgeschaltet. Übrigens kann eine Mail, die zu viel Werbung enthält, auch vom Spamfilter schneller (in diesem Fall fälschlich) aussortiert werden, man muss also ggf. den Spamordner genauer lesen - was auch wieder Zeit frisst.

Hier war es laut früheren Medienberichten ein Mittelding: Zweizeiler "wir haben Ihre Nachricht erhalten und werden sie bearbeiten" und darunter ein halbes Dutzend Zeilen mit der Werbebotschaft, ohne dass diese durch ein "ab hier nur noch Werbung" abgegrenzt war.

Letztlich war die Klage aber schon aus einem anderen Grund berechtigt und sinnvoll: um abzuklären, in wieweit Werbung in solchen Mails erlaubt ist. Damit herrscht jetzt Rechtssicherheit. Wenn der BGH entschieden hätte "alles erlaubt" dann hätten wir bald die oben skizzierten Riesen-Anhänge. Hätte er gesagt "in geringem Umfang, nur Text, erlaubt" dann wäre die beklagte Mail noch gerade so OK gewesen und wir müssten uns künftig auf sowas einstellen. Nun ist eben gar keine Werbung erlaubt - auch das eine klare Aussage, die jeder Admin voll unterstützen kann (und das Marketing zu akzeptieren hat, nichts mit "aber ein winzigkleines Bildchen ist doch sicher drin....").

Interessant werden jetzt natürlich die "gesendet von meinem IPhone" oder "Virengeprüft durch GMX"-Anhänge. Gerade ersteres habe ich im Geschäftsverkehr schon oft gesehen. Ist das Werbung für IPhone - oder eher eine Warnung "hatte keine Zeit und habe zu viel Geld"?

Raeblein

Ich finde "gesendet von XY" ist zwar ungeschickt besser wäre "von unterwegs geschrieben" es zeigt mir aber auch das evtl. Fehler eher der Software und / oder Hardware und nicht dem mangelnden Respekt oder Wissen des Schreibers anzulasten sind.

Generell finde ich den Ansatz den Rob Vegas anspricht gut. und bin ziemlich genervt von all der Werbung, sowohl on als auch offline besonders dann wenn sie für mich ein Kostenfaktor (Mobile Datenverbrauch) oder ein Sicherheitsrisiko (Malvertisment) darstellt.

Haltet mich für altmodisch aber wenn die "Werbeindustrie" nicht bald merkt das sie es übertreibt und die genervten User immer Zahlreicher werden und immer mehr zu "bösen" Adblockern greift tja dann wird diese Industrie aussterben.

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