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Die Bürokratie für kleine Online-Shops und ihre Folgen

Vor kurzem bekam ich eine Ankündigung eines Online-Shops eines kleinen Händlers vom Bodensee, bei dem ich immer mal wieder und gerne Kleinigkeiten gekauft habe, dass man den Online-Shop schließen wird.

Ein paar Tage später erreichte mich diese Nachtrags-E-Mail, deren Veröffentlichung mit Namen mir explizit erlaubt wurde: Ich kann durchaus die Argumente bzw. die Zielsetzungs des Gesetzgebers verstehen, durch eine gewisse Bürokratie (z.B. bei der EU-DSGVO) einen Rahmen für Verbraucher und Händler zu schaffen.

Und dennoch darf es nicht sein, dass solche kleinen, wertvollen Nischen-Shops künftig nicht mehr oder nur von den Großen besetzt werden, weil es sich einfach nicht mehr lohnt.

Ich kann die Entscheidung des Inhabers nachvollziehen und zolle ihm als Unternehmer meinen Respekt zu sagen "lieber nicht online handeln statt falsch zu handeln".

Man mag jetzt darüber diskutieren, ob die Entscheidung ggf. übereilt oder gar überzogen war. Und ich finde, dass spätestens dann, wenn einem Händler aufgrund bürokratischer Hürden die Lust an etwas vergeht, der Punkt erreicht ist, an dem die Politik aufhorchen sollte. Denn auf dieses Gefühl von "keine Lust mehr" hat auch ein Händler als Person ein Anrecht.

Kommentare

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jo

Die DSGVO sollte weniger das Problem sein - frag nur die Daten an, die du brauchst, lösch sie wenn nicht mehr nötig und such dir einen Standard disclaimer. Das ist überschaubar (wenn man allen FUD ignorieren schafft) und im wesentlichen sowieso gute Praxis.

Was einem Händler eher Probleme bereitet sind all die Verbraucherrechte, wie z.B. 14 Tage Rückgaberecht usw. was Logistikprozesse usw. erfordert und Kosten verursacht. Das wird dann auch von Kunden ausgereizt. Andererseits hat Kunde natürlich das Problem, dass man Dinge online vorher nicht ansehen (anfassen, anprobieren) kann.

OlliG

die ganze Email klingt für mich nach dem typischen ...ich will alles machen dürfen, mich aber um nichts kümmern müssen...

.... vor lauter Vorgaben und neuen Gesetzen zum "Verbraucher- und Datenschutz" wird jede Individualität sowie die Freude am Aussuchen und Einkaufen "ab-erzogen"....

wtf? tja, ist schon schade das ein Händler den Kunden ausreichend und umfangreich informieren muss...

d.h. nicht, das da nicht ein Körnchen Wahrheit drin steckt, im Bereich Abmahnung und Wettbewerbsrecht gehört noch einiges reformiert....

ein paar hundert Euro Anwaltskosten/Abmahngebühren etc. können für kleine Händler schon zu Problemen führen

genau wie auch Kunden, die Ihre Rechte missbrauchen... kann mit gut vorstellen das es gerade im Bereich Schmuck so einige gibt, die etwas für einen bestimmten Anlass bestellen und anschliessend zurücksenden... eine Nutzung ist dann für den Händler kaum nachzuweisen...

Matthias

Manuel, nachdem ich nun erfahren habe, dass du dort einkaufst, wirst du mir immer sympatischer ;)

Es ist natürlich sehr schade, wenn ein langjähriger Onlineshop schließt, weil die Hürden für einen rechtssicheren Betrieb vermeintlich zu hoch geworden sind. Mal abgesehen davon, dass es die DSGVO nicht erst seit diesem Jahr gibt, ist es nicht so schwierig, die Vorgaben umzusetzen. Für den Fall der Fälle gibt es auch genug Kanzleien, welche sich auf das Thema spezialisiert haben und man dort alles erhält, was man benötigt. Meiner Meinung nach, muss man sich einfach mal hinsetzen und das Thema angehen und nicht nur die Hände über den Kopf zusammenschlagen und aufgeben.

Im selben Zuge bieten auch die Hersteller der verschiedenen Shopsysteme, hier Gambio, viel Hilfe für ihre Kunden an, um deren Shops sicher zu machen. Ich würde daher vorschlagen, dass der Shopbetreiber, seine Software aktualisiert, DSGVO-konform anpasst und bei der Gelegenheit auch die ganze Webseite auf den heutigen technischen Stand bringt. Selbst das fehlende SSL-Zerifikat lässt sich kostenfrei oder günstig installieren.

Vielleicht hat ja Manuel Lust, dem Herrn Theisen ein tolles Angebot fürs Hosting zu unterbreiten und die Software können wir machen ;)

Andreas

Ich kann mir gut Vorstellen, das nicht die DSGVO das Problem ist.
Grade kleine Händler fragen meist ohnehin nur ab, was sie für den Kauf brauchen.
Meistens sind es die Abmahnabzocker, die mittlerweile ja hinter jedem Busch lauern und ihr Auskommen daraus ziehen, das Kleine eben nicht eine ganze Batterie Anwälte aushalten können und meinen, den kleinsten Fehler gleich mal zu monetarisieren.

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